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Jochen Guttemplertreff-Team

Alter: 59
Anmeldungsdatum: 31.05.2003
Wohnort: Nortorf
Gemeinschaft: Frisch auf Nortorf
Distrikt: Schleswig-Holstein
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Titel: Grenzen der Selbsthilfe Verfasst am: Do 22.Jul.2010 09:20:11 |
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Unsere Selbsthilfebemühungen werden von manchen Profis, manchmal auch Angehörigen, skeptisch betrachtet.
Ich will hier nicht auf die inhaltlichen Differenzen eingehen. Aber es heißt z.B., diejenigen,
die in der Selbsthilfebewegung aktiv seien, seien nicht repräsentativ.
Wir werden davor gewarnt, uns nicht zu überfordern, keine Waghalsigkeiten zu begehen.
Wir dächten nur an unsere subjektiven, nicht auch an objektive Interessen. Überhaupt seien wir ja eigentlich gar nicht kompetent.
Obwohl mich solche Argumente ärgern – ich will sie einmal ernst nehmen.
Wo liegen die Grenzen unserer Selbsthilfemöglichkeiten? _________________ Liebe Grüsse
Jochen
Guttempler-Gemeinschaft
" Frisch auf Nortorf "
Ehe man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln. |
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utica

Alter: 57
Anmeldungsdatum: 30.07.2010
Wohnort: Hamburg
Gemeinschaft: Friedrich Melchert
Distrikt: Hamburg
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Titel: Grenzen der Selbsthilfe - Antwort auf Jochens offene Frage Verfasst am: Sa 31.Jul.2010 22:22:00 |
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Lieber Jochen,
Grenzen der Selbsthilfe und Abgrenzung zur Suchthilfe hängen beide dicht zusammen.
Die Selbsthilfe, also der ehrenamtliche Teil der Suchthilfe - unser ureigenstes Revier - liegt ja vordergründig in der Anleitung Hilfesuchender sich selbst aus ihrer Abhängigkeit befreien zu können.
Dies geschieht durch direkte und indirekte Informationen vom Gruppenleiter und den anderen Gruppenmitgliedern. Des Weiteren durch die Annahme/Übernahme von Verhaltensweisen und, nicht zu verachten, aus der unbewussten Motivation des Gruppenerlebens. Diese unterbewusste Annahme und Eigenmotivation, das "das hat der geholfen, das probiere ich auch, etc." die direkten Informationen und die Verhaltensannahmen aus Erlebensmustern und Verhaltensweisen, sowie die teilweise durch die Gruppendynamik unbewusste Anwendung von einzelnen therapeutischen Faktoren, ist das Geheimnis des Wirkens einer Selbsthilfegruppe. Natürlich gehört die Krankheitseinsicht als zentrale Komponente mit dazu.
Die Grenzen der Selbsthilfe definiere ich
a)
in der Abgrenzung zum professionellen Verhalten eines Therapeuten, der gezielt die therapeutischen Faktoren in Einzel- und Gruppensitzungen einsetzt. Das ist die professionelle Suchthilfe.
Voraussetzung für ihre hauptamtliche Arbeit ist eine Ausbildung/Studium, gehört Bezahlung, eine entsprechende Einrichtung, behördliche Verzahnung, gute Vernetzung zur Suchtinfrastruktur und zu den Kostenträgern.
Also die Grenze liegt hier im System (Ehrenamt therapiert nicht).
b) Die persönliche Grenzen.
Sie sind individuell unterschiedlich, also von GruppenleiterIn zu GruppenleiterIn unterschiedlich. Hier geht es um die persönliche Belastbarkeit des Einzelnen. Wie verarbeitet er die Gruppenabende mit all den persönlichsten Problemstellungen? - Wie grenzt er sich ab? - Hat er eine für sich wirkungsvolle Abgrenzungstechnik erlernt und wendet er/sie sie auch an?
NEIN-sagen-zu-können gehört zur Abgrenzung. Einhaltung und Beachtung von Regeln gehört zur Abgrenzung, Persönllichkeit, Widerstand, Soziale Kompetenz, Ablehnung und auch die Weiterleitung aus der Gruppe hin zu den Profis oder anderen Dritten gehört zur Abgrenzung - zu den Grenzen der Selbsthilfe.
c) Grenzen in der Methodik und unserer Klientel
Unsere Instrumente sind die Kommunikation, die Gesprächsführung, das Zuhören können, das beobachten ohne zu bewerten, das Loben (nichts stärkt das Selbstbewusstsein mehr als die Anerkennung von Leistung und Person).
Die Selbsthilfe hat also "nur" das Instrument der Kommunikation. Bei uns findet keine Sozialhilfe, keine Ergotherapie, kein Strukturaufbau durch Zeitpläne (ausser Beginn, Pause und Ende einer Gruppensitzung ;-), keine ärztliche Untersuchung, kein Sport etc. statt. Nein, "nur" Gespräche.
Hier ist es Aufgabe eines Guttempler-GesprächsgruppenleitersIn, die Gespräche in Gang zu halten, sie zu lenken, Störungen zu vermeiden und immer wieder zum Thema zurückzuführen, sie also effektiv zu machen - nennt man auch TZI.
Unsere Klientel kommt freiwillig, ist auf Augenhöhe, alle sind also gleich; Jeder hat dasselbe Problem. Man wird also verstanden. Damit mehr in unsere Gruppen kommen bedarf es Kontakte, also Schnittstellen zu den Profis, also zu den Beratungsstellen, den Fachkrankenhäusern, zu Ärzten und Behörden, aber auch zu Unternehmen. Sucht ist überall.
Guttempler e.V. muss als Marke bekannter gemacht werden, d.h., unser Bekanntheitsgrad muss erhöht werden. Wenn das Wort Suchthilfe fällt, sollte automatisch auch "Guttempler" als Antwort kommen.
Die Erhöhung des Bekanntheitsgrades durch bestimmte Maßnahmen, wie Corporate Design, Corporate Identity, ist ein Ziel des Projektes "Guttempler 2014" und im Teilprojekt 8 (Mitglieder halten und gewinnen) angesiedelt. In der Steuerungsgruppe 2014 bin ich hierfür zuständig.
Über die Fortschritte und die Maßnahmen werde ich in diesem Forum regelmäßig berichten. Und, keine Angst, die genannten Fremdwörter wie vorzeilig angeführt, werden natürlich verständlich erklärt.
Keine Angst Jochen, wir, die Selbsthilfe - oder das Ehrenamt -, brauchen uns nicht vor professioneller Suchthilfe verstecken oder gar Angst zu haben. Wir sind sehr erfolgreich (> 30 % unserer Hilfesuchenden schaffen es nur mithilfe unseres Tisches und der Gespräche sich von der direkten Abhängigkeit zu lösen).
Dieser Erfolg macht uns vielleicht in manchen "professionellen Augen" suspekt und man (einige) begegnen uns vielleicht mit Skepsis. Aber das ist sicherlich die Ausnahme.
Generell gilt doch, das die ehrenamtliche Selbsthilfe hochanerkannt ist und zu einer wirklichen unverzichtbaren Stütze im Gesundheitswesen geworden ist. Wir sind etabliert und brauchen uns weiß Gott nicht zu verstecken!
Gruß
Horst _________________ Horst Hölter - 22846 Norderstedt - Birkhahnkamp 39 a
040-5263283 / 0175-5717995 - Sachgebietsleiter Suchthilfe LV HH |
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Tini

Alter: 55
Anmeldungsdatum: 25.04.2006
Wohnort: Kiel
Gemeinschaft: Kieler Sprotten
Distrikt: Schleswig-Holstein
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Titel: Re: Grenzen der Selbsthilfe Verfasst am: So 01.Aug.2010 20:33:27 |
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Hallo Horst,
war zunächst etwas verwirrt Deinen Beitrag zweimal zu finden.
Einige von Deinen Bedenken, lieber Jochen, beschäftigen mich auch.
Getroffen hat mich die Bemerkung eines Guttemplers, dass ich als Co-Abhängige gar keine richtige Gesprächsgruppenleitung machen kann, da ich die Sucht nicht nachempfinden kann. Ich denke, ich kann vielleicht keinen Suchtdruck nachvollziehen. Aber ich habe schließlich mit einem schwer trinkenden Mann zusammengelebt und so viel in der Gruppe gehört, das ich sehr wohl etwa dazu sagen kann.
Soviel zu der Frage der Kompetenz, und das aus eigenen Reihen!
Da ich wirklich voll Co-Abhängig war, mit allen typischen Abläufen, weiß ich genau das ich da nicht wieder hin will, ich bin mir meines Helfersyndroms bewußt und kann es jetzt ausleben, aber nur soweit ich will und es mir dabei gut geht. Ich habe gelernt, das ich nicht für die Probleme anderer zuständig bin und nehme sie auch nie mit nach Hause. Ich helfe und unterstütze gerne, an meiner Gesprächsgruppenarbeit wachse ich sehr, aber mehr nicht.
Soviel zur Abgrenzung, da ich ganz bewußt damit umgehe, klappt es bei mir.
Inwieweit CD, CI oder GT 2014 damit zu tun haben weiß ich nicht. Das sind für mich Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und nicht Fragen die für mich in der Selbsthilfe, in Gesprächen mit Betroffenen oder Mitbetroffenen, wichtig sind.
Liebe Grüße, Martina  _________________ Ich bin ich
und ich hoffe ich werde es immer mehr |
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utica

Alter: 57
Anmeldungsdatum: 30.07.2010
Wohnort: Hamburg
Gemeinschaft: Friedrich Melchert
Distrikt: Hamburg
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Titel: Verfasst am: So 01.Aug.2010 21:08:36 |
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Liebe Martina,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Lass es mich so erklären:
Artikel 2x = Versuch eines Neuen. Ich dachte, wenn ich Jochen direkt antworte sieht es niemand sonst ;-)
Deshalb habe ich den Artikel noch in eine andere Rubrik gestellt.
Zum Bekanntheitsgrad:
Hier habe ich nur etwas weiter ausgeholt als ich einen stetigen Gruppenzulauf ansprach. War nur Info - und ist natürlich nicht richtig in der Antwort platziert.
Zur Gruppenleitung:
Natürlich kannst Du ohne selbst Suchtmittelabhängig zu sein auch eine Gesprächsgruppe leiten. Es ist zwar hilfreich etwas nachempfinden zu können (Suchtdruck z.B.), oder Fragen zum Thema Alkoholismus und der Behandlungskette geben zu können, aber keine Voraussetzung.
Es geht ausschließlich um Gefühle, Verhalten, Verhaltensänderung, Belastungen.
Die meisten Therapeuten haben ja auch keine eigene Suchterfahrung - und therapieren!
Zur Abgrenzung
Das machst Du toll! - Du hast den für Dich richtigen Weg/ die richtige Methode gefunden.
Liebe Grüße
Horst _________________ Horst Hölter - 22846 Norderstedt - Birkhahnkamp 39 a
040-5263283 / 0175-5717995 - Sachgebietsleiter Suchthilfe LV HH |
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